Kritik von Rolf Brockschmidt | Der Tagesspiegel | 11. September 2018
Der Kritiker bespricht einen Essayfilm von Hans Puttnies über die antike Stadt Palmyra in Syrien. Puttnies besuchte die Stätte 2008 und verarbeitete seine Aufnahmen zu einem Film, nachdem der IS die Stadt 2015 zerstörte.
Der Regisseur präsentiert Palmyra als europäisches ideologisches Konstrukt. Der Film zeigt archäologische Dokumentation und behandelt die römische Geschichte der Metropole, die als Handelspuffer zwischen römischen und persischen Reichen diente.
Ein zentrales Problem des Films liegt in der Verwendung von IS-Propagandamaterial. Der Kritiker weist darauf hin, dass Puttnies „unkritisch IS-Propagandavideos aus dem Internet“ übernimmt, einschließlich dokumentierter Hinrichtungen. Dies wird als „unerträglich und unverzeihlich“ bewertet, da es die Reichweite terroristischer Inhalte vergrößert.
Positiv hervorgehoben wird eine Fahrt durch das moderne Tadmor mit einem Händler sowie ein Gespräch mit dem 15-jährigen Souvenirhändler Mohamad. Dessen Aussage widerlegt letztlich Puttnies‘ These: „Die Ruinen sind in meinem Herzen.“
Der Artikel endet mit der Feststellung, dass Palmyra „die Seele der syrischen Nation“ verkörpert, weshalb der IS ihre Zerstörung anstrebte.
