Kritik von Arno Raffeiner | Der Freitag | 16. September 2018
Parallel zu anderen Filmstarts lief der Essayfilm „Palmyra“ von Hans Puttnies an. Er dokumentiert die Zerstörung antiker Ruinen durch Bilderstürmer und analysiert, wie Kulturkrieg immer auch die Kultur selbst beschädigt. Der Film verbindet archäologische Geschichte mit politischer Unterdrückung – das größte Gefängnis für politische Häftlinge stand unweit der Ruinen.
Puttnies‘ Film behandelt Verlust und Abwesenheit als katastrophale Grundbedingung. Der syrische Bürgerkrieg bleibt präsent, ohne explizit im Mittelpunkt zu stehen. Die antiken Stätten Palmyras werden nicht nur als Kulturgut verstanden, sondern als Schauplatz einer vielschichtigen Geschichte von Besitz, Vereinnahmung und Vernichtung.
Der Film zeigt, wie Kulturerbe instrumentalisiert wird – von europäischen Kolonisatoren des 18. und 19. Jahrhunderts ebenso wie vom IS im 21. Jahrhundert. In beiden Fällen dienen die Steine nicht dem Verständnis der Menschen, die dort lebten, sondern eigenen ideologischen Zwecken.
