Kritik von Hannes Stein | INDIEKINO
Hans Puttnies, Mediendesign-Professor aus Darmstadt, verbrachte 2008 zwei Wochen in der noch intakten Stadt Palmyra. Sein neu geschnittener Essayfilm befasst sich mit der europäischen Mythenbildung rund um die antike Stadt und wie diese „die lebendige Gegenwart des arabischen Ortes Tadmor auslöschte.“
Die Filmanalyse verfolgt die Wahrnehmungsgeschichte Palmyras von einer Mönchsreiseerzählung von 1691 über Gerard Hofstede van Essens einflussreiche Zeichnung bis zu James Dawkins‘ Expedition 1751. Giovanni Borras präzise Ruinenzeichnungen wurden zu Designvorlagen für europäische Herrenhäuser des 19. Jahrhunderts.
Im 20. Jahrhundert monopolisierten deutsche und später französische Archäologen die Forschung. Die Franzosen verlegten die lebende Bevölkerung 1930 in eine neu erbaute Stadt, um bessere Ausgrabungen zu ermöglichen.
Puttnies‘ Werk wird als „akademisch und gelegentlich prätentiös,“ aber als „überzeugende Studie des ästhetischen, aufgeklärten europäischen Kolonialismus“ charakterisiert.
Deutschland 2016 | Regie: Hans Puttnies | 90 Minuten | Verleih: Kairos Filmverleih | FSK: 16 | Kinostart: 06.09.2018
