Vorwärts | 7. September 2018
Der Dokumentarfilm thematisiert das koloniale Erbe in Palmyra. Die syrische Wüstenstadt wurde von europäischen Archäologen vereinnahmt, wodurch die ursprüngliche arabische Stadt Tadmor ab den 1930er-Jahren abgerissen und verlegt wurde. „Um europäischen Archäologen das Feld zu überlassen, wurden die Lehmhäuser abgerissen und die Stadt wenige Kilometer entfernt wieder neu aufgebaut.“
Regisseur Hans Puttnies zeigt in seinem Essayfilm aus 2017, wie Palmyra seit dem 18. Jahrhundert zunehmend als ausschließlich römisches Erbe dargestellt wurde. Die arabische Bevölkerung durfte nur als Souvenirhändler tätig sein. Das Assad-Regime trug später durch einen Tempelbau dazu bei, dieses Narrativ zu verfestigen.
Der Film dokumentiert auch die dunkleren Aspekte: Während Touristen die antiken Ruinen bewunderten, befand sich in der nahegelegenen Stadt Tadmor „einer der größten Folterknäste des Landes“ mit Tausenden politischen Gefangenen.
Nach der IS-Eroberung wurde Palmyra zur Propagandastätte. Der Film nutzt Originalaufnahmen, historische Stiche und sogar IS-Videomaterial, um diese Manipulationsgeschichte aufzudecken. Puttnies verbindet persönliche Perspektiven mit kritischer Analyse und fragt: Wie werden die Menschen an historischen Orten behandelt?
