Kritik von Oliver Armknecht | Film-Rezensionen.de | 7. September 2018
Hans Puttnies‘ Dokumentarfilm „Palmyra“ behandelt die zerstörte antike Stadt in Syrien. Der Film kombiniert Aufnahmen von 2008 – lange vor der Zerstörung durch den IS – mit essayistischen Voice-Over-Reflexionen.
Der Film beginnt wie ein klassischer Touristenfilm, zeigt die Tempel und Wüstenlandschaften der antiken Ruinen. Allerdings verfolgt Puttnies ein tieferes Ziel: Er hinterfragt unser Verständnis von Geschichte und kritisiert, wie Palmyra zu einem reinen historischen Konstrukt reduziert wurde, während die Menschen, die dort lebten, in den Geschichtsbüchern vergessen wurden.
Puttnies erforscht die Geschichte der Stadt, etwa die der Herrscherin Zenobia aus dem 3. Jahrhundert n.Chr., stellt aber kontinuierlich in Frage, wie einseitig die Geschichtsschreibung ist. Der Film wirkt durch seine elektronische Musikbegleitung und das Voice-Over wie ein Traum oder eine Trance.
Der eindringlichste Moment entsteht durch ein persönliches Interview: Ein Jugendlicher berichtet, wie er Touristen Souvenirs verkaufte – eine menschliche Geschichte, die nach der IS-Invasion verloren ging und ohne den Film in Vergessenheit geraten wäre.
„Palmyra“ verbindet Dokumentation mit essayistischer Reflexion und transformiert die Tragödie einer zerstörten historischen Stätte in eine persönliche, menschliche Erinnerung.
